Rechtsanwalt Lübeck | Wann sollte man einen Anwalt beauftragen

Sollte ich überhaupt einen Anwalt beauftragen?

Was spricht für einen Rechtsbeistand, was spricht dagegen?

Da die Einschaltung eines Anwalts meistens mit Kosten verbunden ist, lohnt sich die Überlegung, ob diese Maßnahme überhaupt gerechtfertigt ist. Eine pauschale Antwort kann hier natürlich nicht gegeben werden, wir Juristen sagen immer: „Es kommt darauf an…”

  • In besonders einfachen Fällen können Sie die Streitigkeit auch ohne Beauftragung eines Rechtsanwalts regeln- wenn Sie es sich zutrauen. Aber Vorsicht!!! Nicht jeder einfach aussehende Fall ist es auch und oft verstecken sich rechtliche Probleme im Detail.
  • Treffen Sie eine Kosten/ Nutzen- Analyse! In einigen Fällen stehen die Kosten in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Vorteilen. In Anbetracht des Kostenrisikos (also die Kosten tragen zu müssen, wenn Sie den Rechtsstreit verlieren oder der Gegner zahlungsunfähig ist) kann es klüger sein, die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Sie sollten sich genau überlegen, ob Ihnen der Streit die Kosten und den Aufwand wert ist.

Tipp: Ein Beratungsgespräch beim Anwalt kann hier sehr hilfreich sein, insbesondere was die Beurteilung der Erfolgschancen angeht!

  • Wenn es bei Ihnen um eine Geldforderung geht- prüfen Sie vorher, ob Ihr Schuldner überhaupt zahlungsfähig ist. Ist er dieses nämlich nicht, bleiben Sie, auch wenn sie einen Prozess in vollem Umfang gewonnen haben, auf den Kosten sitzen. Als Kläger sind Sie dem Gericht und Ihrem Anwalt zur Zahlung eines Kostenvorschusses verpflichtet, den Sie hinterher dann nicht erstattet bekommen.
    Die Erwirkung eines Urteils macht nur dann wirtschaftlich Sinn, wenn in den nächsten dreißig Jahren (so lange ist dieses vollstreckbar) die Aussicht besteht, dass der Schuldner zu Geld kommt (z.B. er befindet sich gerade in Berufsausbildung, ist noch jung an Jahren oder erwartet eine Erbschaft) oder sonstige Vermögenswerte (Haus, Grundstück) hat.
  • In manchen Fällen kommen Sie so oder so nicht um die Einschaltung eines Anwalts herum.
    Vor den Gerichten der zweiten und dritten Instanz (Berufung und Revision), sowie vor Landgerichten (zuständig in Zivilsachen bei Streitwerten über 5.000,00 € – außer in Mietsachen und Wildschäden) gilt der Anwaltszwang. Dies bedeutet, dass lediglich Anwälte vor diesen Gerichten auftreten dürfen. Sie selbst würden daher vor diesen Gerichten nicht gehört werden, dürften also keine Klage erheben und keine Anträge stellen.
  • In den allermeisten Fällen sind Bürgerinnen und Bürger, sofern sie nicht schon einschlägige Erfahrungen in juristischen Dingen sammeln durften, in Rechtsangelegenheiten schlichtweg überfordert. Allein die juristische Sprache ist vielfach verklausuliert und nur schwer zu verstehen. Man fragt sich dann durchaus, was der (anwaltliche oder behördliche) Verfasser eines Schreibens mit seinen Worten eigentlich sagen will. Die anwaltliche Beratungstätigkeit beginnt vielfach damit, dem Mandanten ein solches Schreiben erst einmal ins “normale Hochdeutsch” zu übersetzen, damit dieser dann versteht, was die Gegenseite eigentlich von ihm will. Auch bei der Formulierung von Vereinbarungen, Verträgen oder sonstigen wichtigen Texten kann der Anwalt durch seine berufliche Erfahrung bei der Formulierung helfen und dadurch manche juristische Falle vermeiden, die in solchen Texten lauern kann.
  • Nur ein Rechtsanwalt hat die Möglichkeit für einen Geschädigten einer Straftat oder eines Unfalls Einsichten in staatsanwaltliche Akten zu bekommen. Bei anderen Auskünften, z.B. Auskünften aus dem Schuldnerregister, dem Melderegister, dem Handelsregister oder ähnliches kann Ihnen ein Anwalt behilflich sein.
  • Ein Anwalt wird wegen seiner Berufserfahrung und seinen Spezialkenntnissen ermitteln können, ob Sie mit Ihrem Begehren überhaupt erfolgreich sein können. Er kann Risiken einer Klage oder kostengünstige Möglichkeiten zur Abwendung der Folgen einer Klage abwägen. Es ist bekannt, das „Recht haben und Recht bekommen“ zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind. Ein kluger Mann hat einmal gesagt, dass man auf hoher See und vor Gericht allein in Gottes Hand ist, dennoch sind die Erfolgsaussichten in einem großen Teil der Fälle zumindest einschätzbar.
  • Letztendlich ist auch der psychologische Effekt nicht zu unterschätzen. Es ist durchaus beruhigend zu wissen, dass sich ein juristischer Profi um Ihr Problem kümmert. Ein seriöser Anwalt wird Ihnen niemals den Sieg in einem Rechtsstreit garantieren (wie gesagt: Auf hoher See und vor Gericht…), aber er wird Ihnen helfen, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Er ist Ihr Sprachrohr gegenüber dem Gericht und der Gegenseite.

Fazit: Die juristischen Regelungen sind in der heutigen Zeit so vielschichtig und kompliziert, dass es sich immer lohnt, einen anwaltlichen Rat einzuholen. Die weiteren möglichen Vorgehensweisen in Ihrer Angelegenheit werden qualifiziert und professionell geprüft und Ihr Anwalt gibt Ihnen dann den Rat, wie Sie Ihre Interessen bestmöglichst durchsetzen können.